Auf Heinrich Böll geht eine Anekdote zurück, in der ein Fischer am frühen Nachmittag am Meer sitzt, die Sonne genießt und ein Buch liest.

Ein vorbeikommender Berater fragte ihn, ob er keine Arbeit habe.

Der Fischer antwortete, er fährt jeden morgen früh mit dem Boot hinaus, fängt Fisch, verkauft diesen vormittags auf dem Markt und den Rest des Tages hat er frei.

Der Berater überlegt, wenn du, lieber Fischer, den Nachmittag auch fischen würdest, könntest du mindestens die doppelte Menge an Fisch fangen. Du könntest mehr verkaufen und dir irgendwann ein größeres Boot anschaffen. Mit dem größeren Boot könntest du noch viel mehr Fisch fangen, du könntest Leute einstellen, die dir helfen. Du könntest irgendwann ein zweites Boot kaufen.

Der Fischer hört aufmerksam zu. Dann fragt er den Berater, warum er dies denn alles auf sich nehmen solle? Verwundert antwortet dieser: Na ja, wenn du irgendwann mehrere Boote hast und genug Fisch fängst, musst du weniger arbeiten, kannst tun was du gerne tust und dein Leben genießen.

Der Fischer entgegnet, aber genau das tue ich jetzt.

Der Berater, der zum Fischer umschulte

Als Advisor oder Berater bin ich ein in die Jahre gekommener Menschenfischer. Ich fischte jahraus jahrein, manchmal wie ein Besessener. An Erfahrung reich ist es es Zeit innezuhalten, sich zu setzten, die Füße hochzulegen.

Wie Hamsterrad geht weiß ich. Das Leben zu genießen konnte ich nicht, hatte ich nie gelernt. Dann ging vor ein paar Jahren durch die Schule des Lebens und machte eine Umschulung zum einfachen Fischer. Seither übe ich das Leben zu genießen. Zumindest in kurzen Momenten wie diesen…

Diese Glücks-Momente werden mehr. Den Moment, sich selbst im Moment, wahrzunehmen scheint die (Lebens-)Kunst. Eines ist sicher, der Genuss kommt, der Genuss geht, ich bleibe. Ich bin nicht der Genuss. Vieles kommt, vieles geht, Menschen, Dinge, Gefühle. Der Realität ins Auge blicken ist teil der Kunst. Man könnte auch sagen Klarheit gewinnen. Bewusstsein schaffen, achtsam sein für das was ist, ohne anzuhaften. Einfach Sein ->

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Alles in allem bewährt es sich als Advisor weniger aktiv und zielgereichtet zu fischen, dafür etwas mehr auf der Welle des Lebens zu reiten. In Wu Wei Sinne nehme ich das Leben wie es kommt. Lasse den Dingen ihren Lauf. Hafte weniger an, gehe erwartungsfrei den mittleren Weg, pendle in die Balance zwischen zu viel und zu wenig, zwischen Himmel und Erde, zwischen haben und sein.

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